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Klöster und Stifte

Lern- Begegnungs- und Erfahrungsorte für Frauen

Die Klöster und Stifte im Verwaltungsbereich der Klosterkammer Hannover sind reich an Aufgaben und Angeboten. Es gibt gute Gründe, im Kloster zu leben, das Kloster für ein paar Stunden zu besuchen oder auch ein wenig länger zu bleiben.

Insgesamt 17 Klöster und Stifte werden von der Klosterkammer Hannover, einer niedersächsischen Landesbehörde, betreut. Hierbei handelt es sich außer dem von einem Männerkonvent bewohnten Gethsemanekloster Riechenberg bei Goslar und Kloster Bursfelde bei Hannoversch-Münden, einer evangelischen Tagungsstätte mit einem ständigen geistlichen Angebot, vor allem um die vier Frauenstifte Bassum, Börstel, Fischbeck und Obernkirchen, die fünf im ehemaligen Fürstentum Calenberg gelegenen Frauenklöster Barsinghausen, Mariensee, Marienwerder, Wennigsen und Wülfinghausen und die sechs im ehemaligen Fürstentum Lüneburg gelegenen Frauenklöster Ebstorf, Isenhagen, Lüne, Medingen, Walsrode und Wienhausen.

Evangelische Damenstifte unter staatlichem Schutz
Diese Frauenstifte und -klöster haben den Status evanglischer Damenstifte und genießen als überkommene heimatgebundene Einrichtungen den Schutz und die Fürsorge des Staates. Sie sind aus katholischen Nonnenklöstern entstanden, denen – wie vielen anderen kirchlichen Einrichtungen, die nach evangelischem Glauben nicht erforderlich waren – in der Reformationszeit das Ende drohte. Der Aufhebung sind die Klöster entgangen, weil Adel und Patriziat auf sie als Versorgungseinrichtungen für unverheiratete Töchter nicht verzichten wollten. Dafür mußten die Klöster das evangelische Bekenntnis annehmen. Ihre Ländereien wurden größtenteils vom Staat eingezogen.

Inzwischen sind aus standesgemäßen, mit Ehre verbundenen Versorgungseinrichtungen Stätten des kulturellen, kirchlichen und sozialen Engagements geworden. Zurzeit gehören den Klosterkonventen und Stiftskapiteln 135 alleinstehende Frauen zwischen dem vierten und zehnten Lebensjahrzehnt an. Rechtlichen Vorgaben entsprechend sind alle Frauen evangelisch. Nur das Stift Börstel stellt satzungsgemäß seit dem Westfälischen Frieden zwei Kapitelstellen Frauen röm.-kath. Konfession zur Verfügung.

Grundlage des gemeinschaftlichen Lebens sind die staatlicherseits erlassenen Klosterordnungen bzw. genehmigten Stiftssatzungen. Darin sind die Rechte, Aufgaben und Wirkungsmöglichkeiten der Frauen in den Klöstern und Stiften genannt.


Lebensform zwischen Gemeinschaft und Individualität

Frauen finden im Kloster eine Lebensform, die zwischen christlicher Gemeinschaft und Individualität vermittelt – zwischen der Bindung im gemeinsamen Glauben und Gottesdienst und der gemeinschaftlichen Erfüllung der vielfältigen Aufgaben einerseits sowie dem persönlichen Freiraum mit eigener, abgeschlossener, mietfreier Wohnung und zahlreichen individuellen geistig-kulturellen, musischen und sozialen Entfaltungsmöglichkeiten andererseits.

Gelübde im Sinne katholischer Ordensgemeinschaften sind nicht abzulegen. Allerdings wird in den beiden von evangelischen Kommunitäten bewohnten Klöstern Barsinghausen und Wülfinghausen nach dem Prinzip der sog. evangelischen Räte Gütergemeinschaft, Ehelosigkeit und Gehorsam gelebt. In den übrigen Einrichtungen gilt es, die auf die christliche Lebensgemeinschaft gerichteten Bestimmungen und Verhaltensregeln der Klosterordnungen und Stiftssatzungen zu beachten. Im Unterschied zu früher spielt die soziale Herkunft für die Aufnahme in das Kloster keine Rolle mehr. Ebenso kann sich auch niemand mehr dort „einkaufen"; im Gegenteil: Finanziell bedürftige Frauen im Sinne des Sozialhilfegesetzes erhalten erforderlichenfalls Unterstützung.
Im Allgemeinen ziehen Frauen in die Klöster und Stifte nach Beendigung ihrer Berufstätigkeit ein. Sie sollten aber das sechste Lebensjahrzehnt nicht überschritten haben. Interessant ist die klösterliche Lebensform auch für berufstätige Frauen. Begleitend zu ihrer Berufstätigkeit können sie im Kloster Aufgaben erfüllen und seine Gemeinschaft erleben und mitgestalten.


Kulturvolle Atmosphäre und Geborgenheit

Frauen schätzen an den Klöstern und Stiften vor allem den Zusammenklang von kultivierter Atmosphäre und Geborgenheit.
Die ehrwürdigen und an Kunst- und Kulturschätzen reichen großen Baukomplexe liegen inmitten ausgedehnter alter Gärten am Rande von oder sogar in Städten bzw. in wunderschöner freier Landschaft. Sie bieten Zurückgezogenheit und Stille, ermöglichen Bildung und das Weitergeben von Bildung an Besucher und Gäste, animieren zur Pflege von Kunstobjekten, Archivgut, Buchbestand und Gärten, lassen Zeit zu innerer Betrachtung und schöpferischer Tätigkeit. Stätten der Geborgenheit sind die Klöster, weil sie soziale Sicherheit, den persönlich-menschlichen Kontakt nach innen wie nach außen und die Einbeziehung in das gesellschaftliche, besonders das kirchliche Umfeld bieten. All dies, verbunden mit der wichtigen Aufgabe, die Klöster und Stifte heutigen Erfordernissen dienstbar zu machen, verspricht Frauen einen außergewöhnlichen und erfüllten Lebensabschnitt, dem es keineswegs an Zeitgemäßheit mangelt.


Kulturarbeit

Ein bleibendes und zentrales Anliegen der Konvente und Kapitel ist es, ihre Einrichtungen als Kulturstätten zu erhalten und weiter zu entwickeln. Dafür wird eine große Zahl von Führungen, Konzerten, Vorträgen, Lesungen und Sonderausstellungen organisiert. Auch Veranstaltungen und Begegnungen auf wissenschaftlicher Ebene finden statt. Als besonderes klösterliches Erbe wird die Stickkunst gepflegt. Im Kloster Marienwerder werden Paramente hergestellt, im Kloster Mariensee kann traditionelle klösterliche Sticktechnik erlernt werden. Neuerdings sind auch Aktivitäten wichtig geworden wie die Teilnahme von Klöstern und Stiften am "Tag des offenen Denkmals", dem "Internationalen Museumstag" oder an der "Langen Nacht der Museen". Großer Beliebtheit erfreuen sich die von einer Anzahl von Klöstern und Stiften verstärkt angebotenen Führungen durch die historischen Gartenanlagen.
Als Kulturstätten erweisen sich die Klöster nicht zuletzt auch durch niveauvolle Geselligkeit, die hier von Bewohnerinnen und zunehmend auch von Gästen geübt wird.


Spiritualität und Glaubensverkündigung

Ein weiteres Anliegen der Konvente und Kapitel betrifft das geistlich-spirituelle Angebot und die Glaubensverkündigung.
Klöster und Stifte wollen der rechte Ort sein für Besinnlichkeit und Glaubensgewissheit suchende Menschen. Besonders darauf eingerichtet sind die Klöster Wülfinghausen, Barsinghausen, Mariensee und Wennigsen, das Stift Börstel und die Tagungsstätte der „Geistlichen Gemeindeerneuerung in der Evangelischen Kirche" unter dem Dach von Stift Obernkirchen sowie das Männerkloster Goslar-Riechenberg und das Kloster Bursfelde. Tagungshäuser mit klösterlicher Atmosphäre, die besonders auch eine externe Programmgestaltung ermöglichen, bestehen mit dem Johanniterhaus Kloster Wennigsen und der Tagungsstätte auf dem Gelände von Stift Börstel.
Auf eine sehr einprägsame Weise leisten die Klöster christliche Glaubensverkündigung. Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts und besonders der letzten fünf Jahre hat sich das geistlich-spirituelle Angebot der Klöster und Stifte sprunghaft entwickelt. Hier ist - abgesehen von den traditionellen Gottesdienstfeiern - ein gänzlich neuer klösterlicher Aufgabenbereich entstanden. Entsprechende Angebote finden sich inzwischen in der Mehrzahl der Einrichtungen. Erfreulich ist, dass neuerdings auch in den Einrichtungen, die bislang hauptsächlich kulturelle und touristische Aufgaben wahrgenommen haben, dem stark gewachsenen Bedürfnis der Menschen nach Spiritualität entsprochen wird. Mit kirchenpädagogisch fundierten Führungen werden die jeweiligen Sakralbauten und -kunstwerke den Menschen näher gebracht. Vielfach nachgefragt ist das Angebot "Kloster auf Zeit". Der großen Nachfrage entsprechend werden verstärkt Einkehr-, Stille- und Oasentage angeboten. "Töpfern im Schweigen" ist ein spezielles Angebot von Kloster Barsinghausen. Kloster Medingen veranstaltet dreimal jährlich "Fastenwochen". "Meditativen Tanz" haben mehrere Klöster im Programm. Bei den "Heilkräutertagen" und "Stickkursen" von Kloster Mariensee und beim "Pilgern" zu den Klöstern der Lüneburger Heide finden Gestresste Ruhe und Gelassenheit. Ein besonders lebendiges und anschauliches geistliches Bildungsangebot stellt das "Bibelzentrum Ein Haus voller Leben" im Kloster Marienwerder dar. Zum geistlich-spirituellen Angebot gehören ebenso auch die "öffentlichen Abend- und Wochenandachten" und "Tagzeitengebete" in mehreren Klöstern sowie die des öfteren übertragenen "Fernseh- und Rundfunkgottesdienste" aus Kloster- und Stiftskirchen.

Insgesamt nutzen jährlich etwa 260.000 Menschen die verschiedenen kulturellen, touristischen und geistlichen Angebote der 17 Klöster und Stifte.


Sozialarbeit

Alter Klosterpraxis entspricht die Wahrnehmung sozialer Aufgaben durch die Frauen der Klöster und Stifte, auch wenn die enorme fachliche Spezialisierung im Sozialbereich hier nur begrenzte Wirkungsmöglichkeiten zulässt. Im Kloster Marienwerder existiert ein vorzüglich betreutes und ausgestattetes Alten- und Pflegeheim. Im Kloster Medingen hat der Freundeskreis Hospiz Bevensen e. V. seine Heimstatt gefunden. Auf sozio-kulturellem Gebiet arbeitet Kloster Medingen mit dem Verein Christlicher Pfadfinder zusammen. Seelsorge- und Lebenshilfeangebote halten die Klöster Wennigsen und Wülfinghausen bereit. Ein Angebot im sozialen Kontext besteht ebenso mit der sogenannten Klostergrotte im Kloster Barsinghausen, wo sich die Schwestern der dortigen Kommunität um Rat- und Hilfesuchende kümmern. Darüber hinaus engagieren sich fast alle Konvente und Kapitel in der Betreuung hilfsbedürftiger Menschen.

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Kloster Mariensee
Foto: Carola Faber/Neustadt a. Rbge.

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Medinger Konventualinnen
Foto: Jens Schulze/Hannover

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Vor dem Gottesdienst
Foto: Gerald Milke/Gelldorf

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Im Stift Fischbeck
Foto: Guido Klocke/Hildesheim

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Bildung im Kloster
Foto: Kloster Wienhausen

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Kommunikation im Kloster
Foto: Geistliches Zentrum Kloster Bursfelde

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Musik im Kloster
Foto: Geistliches Zentrum Kloster Bursfelde

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Kloster Wennigsen empfängt mit Blumenpracht und Kerzen
Foto: Jens Schulze/Hannover

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Begegnung mit mittelalterlicher Klosterwelt in Ebstorf
Foto: Jens Schulze/Hannover

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Kloster Barsinghausen - ein Ort der Andacht und der Stille
Foto: Jens Schulze/Hannover

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Prachtvolle Klostergärten in Medingen
Foto: Harald Koch/Hannover

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Stift Fischbeck - Architektur und Natur im Einklang
Foto: Manfred Niehus/Hameln

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Stift Obernkirchen - kulturelles und geistliches Zentrum im verwunschenen Ambiente
Foto: Andreas Lechtape/Münster
Klosterkammer Hannover  •  Eichstraße 4  •  30161 Hannover  •  Tel.: 0511 - 3 48 26 - 0  •  Fax: 0511 - 3 48 26 - 299  •  E-Mail: info@klosterkammer.de