19.11.2012

Eine eigene Werkstatt für die "Goldene Tafel"

Klosterkammer fördert Forschungsprojekt im Landesmuseum mit 40.000 Euro

Klosterkammer-Präsident Hans-Christian Biallas (links) und Dr. Katja Lembke, Direktorin des Landesmuseums Hannover (rechts) vor Holzskulpturen, die zur "Goldenen Tafel" gehören.
Foto: Kerstin Schmidt

Im Rahmen eines groß angelegten interdisziplinären Forschungsprojekts zur "Goldenen Tafel" aus der Benediktinerkirche St. Michaelis zu Lüneburg erforschen Kunsthistoriker, Restauratoren und ein Historiker das Hauptwerk der Mittelalter-Sammlung über einen Zeitraum von vier Jahren im Landesmuseum. Einen Beitrag hierzu leistet die Klosterkammer Hannover mit 40.000 Euro. "Die Klosterkirche St. Michaelis gehört noch heute zum Vermögen der Klosterkammer. Deshalb fühlt sich die Klosterkammer in besonderer Weise dazu verpflichtet, dieses bedeutende Werk der Internationalen Gotik erforschen zu lassen und zu erhalten", sagt Klosterkammer-Präsident Hans-Christian Biallas. Von der Fördersumme der Klosterkammer wurde dafür eine Werkstatt im Museum eingerichtet.

Um den Besuchern des Museums Einblicke in den Verlauf der Arbeiten zu gewähren, ist die Werkstatt frei einsehbar gestaltet worden. Im Rahmen von öffentlichen Führungen können interessierte Besucher sogar einen Blick hinter die Kulissen werfen und sich somit selbst detailliert über Zielsetzung und Verlauf des Projektes informieren. "Wir sind der Klosterkammer Hannover für die Unterstützung sehr dankbar. Insbesondere freut es uns, dass wir nun unseren Besuchern mit der ,offenen Werkstatt' einen Einblick in die Arbeit der Restauratoren und Kunsthistoriker ermöglichen können", so Dr. Katja Lembke, Direktorin des Landesmuseums Hannover. Im Rahmen ihrer Förderinitiative "Forschung in Museen" stellt die VolkswagenStiftung über den Zeitraum von vier Jahren insgesamt 540.000 Euro zur Verfügung und ermöglicht damit projektbezogene Stellen für Kunsthistoriker, Historiker und Restauratoren. Zur Untersuchung des Retabels verbinden die Expertinnen und Experten vor Ort das methodische Spektrum der Kunstgeschichte mit dem der Kunsttechnologie. Dabei werten sie systematisch Text- und Bildquellen aus, um die Geschichte des Retabels zu rekonstruieren. Bei den kunsttechnologischen Forschungen kommen verschiedene technische Analyse- und Bildgebungsverfahren zum Einsatz, um Aufschlüsse über die Konstruktion, den Malschichtenaufbau sowie Entstehungsort und Entstehungszeit zu erhalten. Die Stereomikroskopie, die digitale Mikro- und Makrofotografie, Röntgen- und UV-Untersuchungen sowie die Infrarotreflektografie werden zur Untersuchung der Flügel eingesetzt.

Bei der "Goldenen Tafel" handelt es sich um ein zweifach wandelbares Flügelretabel. Sie ist eines der bedeutendsten Werke der Internationalen Gotik, das um 1400 entstanden ist. Nur die mit Malereien und Skulpturen dekorierten Flügel sind im Landesmuseum erhalten. Das Zentrum des Retabels, die eigentliche "Goldene Tafel" aus purem Gold wurde 1698 von dem seinerzeit berüchtigten Räuberhauptmann Nickel List gestohlen. Um das Zentrum herum war der umfangreiche Kirchenschatz der Abtei gruppiert, dessen Überreste heute das Museum August Kestner in Hannover verwahrt. Klosterkammer-Präsident Hans-Christian Biallas (links) und Dr. Katja Lembke, Direktorin des Landesmuseums Hannover (rechts) vor Holzskulpturen, die zur "Goldenen Tafel" gehören.