05.10.2022

500 Jahre Gebetbuch der Äbtissin Odilie

Festtag im Kloster Mariensee am 1. Oktober 2022 mit Vortrag von Pater Anselm Grün

Benediktiner-Pater Anselm Grün aus der Abtei Münsterschwarzach war zu Gast bei Äbtissin Bärbel Görcke im Kloster Mariensee. Foto: Gunnar Schulz-Achelis

500 Jahre liegt es zurück, dass Odilie von Ahlden als Äbtissin des Klosters Mariensee ihr handschriftliches, lateinisches Gebetbuch vollendete. Es ist ein Zeugnis für die Kontinuität des geistlichen Lebens im Kloster.

Seit 2017 erinnert ein „Frauenort Niedersachsen“ im Kloster Mariensee an Äbtissin Odilie von Ahlden und ihr Werk. Dass ihr Gebetbuch bis heute Menschen inner- und außerhalb des Klosters Mariensee inspiriert, wurde zum 500. Jubiläum seiner Entstehung mit einer Reihe von Veranstaltungen gefeiert. Höhepunkt war der Festtag am 1. Oktober 2022.

Der bekannte Autor, Benediktiner-Pater Anselm Grün aus der Abtei Münsterschwarzach, gab in seinem Vortrag in der Klosterkirche vor mehr als hundert Gästen Einblicke in die klösterliche Tradition des Betens. Anselm Grün meinte, Beten heiße Begegnung mit Gott, nicht unbedingt sprechen mit Gott. Selbst im vorformulierten Worten wie in den Psalmen werden eigene Gefühle angesprochen und von Gott verwandelt. Gebete führten an den Ort in unserer Seele, wo man frei ist von Urteilen anderer und man einfach man selbst sein kann.

Im Anschluss folgte ein Podiumsgespräch unter dem Titel „Wie heute von Gott reden?“ an dem auch die Wunstorfer Militärpfarrerin Dr. Alexandra Dierks, Präses der EKD-Synode Anna-Nicole Heinrich, und Bärbel Görcke, Äbtissin das Klosters Mariensee, teilnahmen.

In dem Podiumsgespräch berichtete Pfarrerin Dr. Alexandra Dierks vor 60 Zuhörerinnen und Zuhörern, dass sie zu Tagesbeginn in der Standortkapelle immer für ihre Soldaten betet. Beten bedeutet gleichzeitig loszulassen und sich zu konzentrieren. Pater Anselm Grün berichtete, er segne morgens mit einer Gebärde die Menschen, mit denen er an dem Tag zu tun bekommen werde – und das verändere etwas, weil er dann mit Gesegneten zu tun hat.

Präses Anna-Nicole Heinrich sagte, sie persönlich habe keine regelmäßige Gebetspraxis. Über Beten zu reden sei genauso verpönt, wie über Einkommen oder Sexualität. Dabei könne man beim Beten nichts falsch machen. Äbtissin Bärbel Görcke berichtete, dass sie bei Führungen von Grundschulkindern merke, dass „wir mit unserer Glaubenspraxis nicht sichtbar sind“. Es sei von Anfang an eine wichtige Aufgabe des Klosters gewesen, für die politisch Verantwortlichen zu beten, erzählte Äbtissin Görcke und fügte hinzu: „Als junge Frau fand ich vor allem kritische Rückmeldungen wichtig. Heute sehe ich meine Aufgabe eher darin, im Gebet zu unterstützen“.

Der Nachmittag mündete in einer ökumenischen Vesper mit Gesängen aus der orthodoxen Kirche und dem Gebetbuch der Äbtissin Odilie. Am Abend erklang Musik von Heinrich Schütz und Texte des Lyrikers und Theologen Christian Lehnert. (lah)