25.05.2026
Einführungsgottesdienst für Äbtissin Sylvia Hartje
Rund 200 Gäste kamen am Pfingstmontag ins Stift Fischbeck
Alt-Äbtissin Katrin Woitack übergibt den Krummstab an die neue Äbtissin Sylvia Hartje (von links). Foto: Kristina Weidelhofer
Sylvia Hartje hat ihre Tätigkeit am 1. Januar 2026 aufgenommen. Im Gottesdienst zu ihrer Einführung am 25. Mai 2026 wurde ihre Amtsvorgängerin Katrin Woitack von Superintendent Christian Schefe entpflichtet. Er nahm anschließend gemeinsam mit Assistierenden die Einsegnung von Sylvia Hartje vor. Die Predigt hielt Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer. Weitere Mitwirkende waren Stiftsvogt Otto von Blomberg, Pastor Matthias Voigt und Pastorin Alexandra Pook. Unter den rund 200 Gästen waren unter anderem auch zahlreiche Äbtissinnen, Konventualinnen und Kapitularinnen der weiteren niedersächsischen Klöster und Stifte.
Sylvia Hartje wurde 1962 in Hannover geboren und wuchs in Wennigsen am Deister auf. Nach einer Lehre als technische Zeichnerin legte sie auf dem zweiten Bildungsweg ihr Abitur ab und studierte in Hannover und Wales Maschinenbau. Als Ingenieurin arbeitete sie anschließend in einer hannoverschen Firma im Bereich Konstruktion, viele Jahre davon auch in leitender Tätigkeit. „Der Kirche bin ich erst im Erwachsenenalter nähergekommen“, sagte sie. Entscheidend seien dabei menschliche Begegnungen vor allem bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit für die Marktkirche Hannover gewesen. Dort gehörte sie auch dem Kirchenvorstand an und engagierte sich sowohl für den Bau-Ausschuss als auch für Kulturangebote.
Zu Beginn ihres Ruhestandes 2025 stieß sie zufällig auf eine Annonce des Stifts Fischbeck und bewarb sich als Stiftsdame. Die damalige Äbtissin Katrin Woitack ermutigte sie zudem, sich auch für ihre Nachfolge aufstellen zu lassen. Für die ledige 64-Jährige ist die Tätigkeit als Äbtissin eine Möglichkeit, „meine ganzen beruflichen und ehrenamtlichen Erfahrungen einzubringen“. Ihre Aufgaben reichen von der spirituellen Gestaltung des Stiftslebens über die Organisation von kulturellen Veranstaltungen bis hin zur Repräsentation des Stifts in der Öffentlichkeit. „Wichtig dabei ist auch die Zusammenarbeit mit den Vereinen und Initiativen des Ortes Fischbeck sowie der örtlichen Kirchengemeinde“, betonte sie.
Dankbar ist Sylvia Hartje für die „lebendige Stifts-Gemeinschaft und dass meine Vorgängerin mir ein gut aufgestelltes Arbeitsfeld hinterlassen hat“. Neun Frauen leben zurzeit als Stiftsdamen in Fischbeck, jede hat einen eigenen Aufgabenbereich wie zum Beispiel die Gartenpflege oder den Verkauf im stiftseigenen Laden. „Morgens feiern wir gemeinsam Andacht, das stärkt unsere Verbundenheit“, so die Äbtissin. Ihr Anliegen ist es, das Stift bekannter zu machen und weiter zu öffnen, beispielsweise durch kulturelle Angebote. „Als christliche Gemeinschaft leben wir nicht nur auf uns bezogen, sondern beten auch für andere Menschen und für den Frieden in der Welt“, sagt sie. Als „herausfordernde und lohnende Gratwanderung“" sieht Sylvia Hartje ihr Anliegen, die Tradition des Stifts zu bewahren und es gleichzeitig auf die Zukunft auszurichten.
Das Stift Fischbeck wurde 955 gegründet, Pfingsten 1559 wurde dort der erste evangelisch-lutherische Gottesdienst gefeiert. Fischbeck blieb auch nach der Reformation ein adeliges „Fräuleinstift“ und behielt seine alten Einrichtungen. Seit der Gründung leben und arbeiten dort durchgehend Frauen in einer christlichen Gemeinschaft.
Nach der feierlichen Einführung kamen die Gäste im Innenhof des Stifts zusammen. Foto: Kristina Weidelhofer
Besondere Gäste: Antje Zaiß-Pensotti, Äbtissin des Stifts Obernkirchen und Angela Geschonke, Äbtissin des Klosters Ebstorf im Gespräch. Foto: Kristina Weidelhofer