01.06.2026
Neues Zuhause für wohnungslose Menschen
Lebensraum Diakonie feierte Einweihung der HERBERGEplus in Lüneburg
Gemeinsame Besichtigung (v. l.): Manuela Grimm, Koordinatorin Bau; Ben Möller, Architekt von esfandiary möller architekten; Tanja Mainz, Vorstandsvorsitzende Lebensraum Diakonie; Christel John, Bürgermeisterin Lüneburg; Dr. Thela Wernstedt, Klosterkammer-Präsidentin; Bewohnerin Frau Müller*; Thorben Peters, Leiter HERBERGEplus und Superintendent Christian Cordes. Foto: Lina Hatscher
Zwei Jahren Bauzeit, rund neun Millionen Euro Baukosten, 36 Appartements: Die Schlüsselübergabe für den Neubau auf dem Gelände Beim Benedikt in der Hanse- und Salzstadt hat am 29. Mai 2026 stattgefunden. Die Klosterkammer hat die barrierefreie Ausstattung mit 300.000 Euro gefördert.
„Weil wir alle einzeln untergebracht sind, ist es sehr ruhig und angenehm in den neuen Wohnungen“, berichtete Frau Müller* während eines Vorabtermins. Rund drei Wochen vor der Einweihung sei sie bereits aus einer anderen Einrichtung in den Neubau umgezogen. Sie hob besonders hervor: „Ich fühle mich als Frau geschützt, kann jederzeit jemanden aus dem Team erreichen und erhalte ärztliche Unterstützung. Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit, hier zu leben.“ Auch der neue Bewohner Harry freute sich über die neue Ruhe, die eigene Küchenzeile und das eigene Bad – er hatte zuvor im gegenübergelegenen Altbau gewohnt.
Bewohner Harry (3. v. l.) schilderte, wie er sich in seinem neuen Zuhause fühlt. Foto: Lina Hatscher, Klosterkammer
Der langgezogene Neubau mit drei Etagen liegt unmittelbar zwischen dem Altbau auf dem Gelände Beim Benedikt 11 und dem angrenzenden Naturschutzgebiet am Kalkberg am Rande der Lüneburger Altstadt. Der Lebensraum Diakonie e.V. hat rund neun Millionen Euro in den Neubau investiert, berichtete die Vorstandsvorsitzende Tanja Mainz: „Wir freuen uns sehr, dass die HERBERBEplus bis auf wenige Arbeiten im Außenbereich nach zwei Jahren Bauzeit nun fertiggestellt ist.“ Im Gebäude befinden sich 36 Apartments sowie Büros und Gemeinschaftsräume wie ein Wintergarten und eine Terrasse.
Zur Finanzierung beigetragen haben Stiftungen, Sponsoren und Spender. Die Stiftung Hospital zum Großen Heiligen Geist hat den Neubau mit 600.000 Euro unterstützt. Christel John, Stiftungsratsvorsitzende und ehrenamtliche Bürgermeisterin Lüneburgs, zeigte sich beeindruckt von der schnellen Fertigstellung des Gebäudes. Die Klosterkammer Hannover förderte die barrierefreie Ausstattung mit 300.000 Euro. Dr. Thela Wernstedt, Präsidentin der Klosterkammer, sagte: „In Lüneburg ist das Angebot an günstigen Wohnungen gering. Wir haben die Ausstattung der 30 barrierefreien und sechs rollstuhlgerechten Wohnungen in unserem sozialen Stiftungszweck unterstützt, weil davon in mehrfacher Hinsicht benachteiligte Menschen profitieren.“
Schlüsselübergabe (v. l.): Vorstandsvorsitzende Tanja Mainz und Einrichtungsleiter Thorben Peters mit dem symbolischen Schlüssel. Foto: Dörthe Grimm, Lebensraum Diakonie e.V.
Der Einrichtungsleiter Thorben Peters schilderte, dass bereits 34 Wohneinheiten bezogen seien. „Um an den jeweils individuellen Problemen zu arbeiten, braucht es zuerst ein stabiles Umfeld, das erhalten die Menschen hier bei uns. Diese Sicherheit, kann eine Positiv-Spirale in Gang setzen“, beschrieb Thorben Peters das sogenannte „Housing first“-Konzept.
Christian Cordes, Superintendent des Ev.-luth. Kirchenkreises Lüneburg und Vorsitzender des Aufsichtsrates des Lebensraum Diakonie e.V., erläuterte die Anbindung an die Kirchengemeinde der nahegelegenen St. Michaeliskirche. Bei dieser übernimmt die Klosterkammer den baulichen Erhalt der Kirche und Pfarrgebäude als auch die Personalkosten des Teams und weitere Kosten der Kirchengemeinde als historische Leistungsverpflichtung. Christian Cordes sagte: „Pastorin Silke Ideker ist die zuständige Seelsorgerin für die Einrichtung Am Benedikt und bietet einmal wöchentlich eine Sozialsprechstunde an.“
Der Lebensraum Diakonie e.V. verfolgt in Lüneburg einen dezentralen Ansatz zur Unterbringung von Menschen in besonders herausfordernden Lebenslagen. Die unterschiedlichen Stellen sind in der Stadt verteilt – neben der Wohnraumhilfe gehören zum Beispiel auch die ebenfalls von der Klosterkammer geförderte Eltern-Kind-Einrichtung „Ma Donna“ im „Familienzentrum Plus“ und das Wichernhaus für Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen dazu. Insgesamt rund 500 Personen erhalten in den verschiedenen Einrichtungen ein Wohnraumangebot. (lah)
* Name geändert